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Interview im Magazin TOI TOI TOI

THOMAS DARCHINGER nachgefragt

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Woran bist du zuletzt am Theater gescheitert?

Na die Geschichten sind aktuell ja schnell erzählt: Massenhaft Veranstaltungsabsagen. Und beim Thema Förderanträge stellen, scheitere ich ständig. Die Schnittstelle zwischen den Behörden und den Kreativen klappt aus meiner Sicht nicht so richtig, außer man ist ein Antrags-Fuchs, aber dazu zähle ich mich nicht, gar nicht.

Welche war die beste Premieren-Party, auf der Du jemals warst?

Da fällt mir sofort eine Theaterpremiere am Staatsschauspiel in Düsseldorf ein. Auf der Premierenparty selber waren wir nur ganz kurz. Wir haben uns mit circa 20 Leuten abgeseilt und sind zuerst essen gegangen. Der Komponist der Theatermusik wollte uns einladen. Aber als dann die Rechnung kam, meinte er “Sorry Leute, zu teuer, Ihr zahlt doch selber”. Das war schonmal ganz witzig, aber danach sind wir in den Düsseldorfer Untergrund. Ein riesiges Baugelände mit hohem Holzaun drumherum. Die Taxis hielten an einer Stelle, wo zwei Bretter herausgelöst waren. Wir gingen auf das Gelände. Eine Schotterfläche mit mindestens 500x500 Meter. Da war dann ein offener Kanaldeckel und dann hieß es: runter. Wir sind dann die Metallleitern runter. Unten waren die Gänge einer frisch gebauten Kanalisation. Fackeln. Aus der Ferne wummernde Musik. Wir sind den Fackeln gefolgt, bestimmt 100 Meter. Dann eine Abzweigung, wieder 100 Meter. Und dann ein riesiger Pumpenraum. DJ, 200 Menschen. Zwei Bars. Sauerstoffarme Luft. Das war ziemlich abgefahren. Als ich wieder da raus bin, war es längst Tag.

Hast du schon mal was verbotenes im Theater gemacht?

Also ich hab in den wilden Zeiten in den 80er Jahren angefangen und bei wilden Gruppen gearbeitet. Wir waren die, die Regeln gebrochen haben und neue Dinge kreiert. Bei uns waren auch verrückte Leute dabei, die auch ziemlich verrückte Dinge gemacht haben.
Wer mal das Buch “Easy Riders, Raging Bulls” gelesen hat über das Hollywood der wilden Zeiten, der kann ungefähr erahnen, wie es bei uns war.
Natürlich hab ich auch Verbotenes gemacht. Aber jetzt eher nicht in dem Sinn, dass es um Strafdelikte ging, eher um Sachen, die man einfach nicht macht.

Was war dein peinlichstes Theatererlebnis?

Peinlich war mir in meiner Laufbahn eigentlich immer nur, wenn ich mal bei etwas aus meiner Sicht Schlechtem dabei war. Ich bin mal mit einem Auto voller Sachen nach Südtirol gefahren, um da drei Monate zu proben und zu spielen. Ich bin angekommen, rein in den Raum, ich seh das Bühnenbild, ich bekomm die ersten Anweisungen, spiel mit meinen KollegInnen und nach drei Stunden sag ich zum Regisseur: “Sorry, es tut mir leid, aber ich steig jetzt in mein Auto und fahr wieder heim.” Jede Minute auf der Bühne in dem Kontext war mir peinlich und ich konnte nicht anders, als zu gehen. Dabei bin ich eigentlich sehr verläßlich. Natürlich war mir auch peinlich, dass ich die Leute im Stich gelassen habe, aber das Ganze war weit über meiner Schmerzgrenze.

Was stört Dich am Tarifvertrag am meisten?

Dazu hab ich keine klare Meinung, wenn ich ehrlich bin. Ich komme aus einem Kontext, wo ich leider ganz oft ohne ernst zu nehmenden Verträge gearbeitet habe, mit Handschlag, oder mit Werkverträgen, wo sich die Macher aus so ziemlich allen Verantwortungen heraus genommen haben. Und da waren auch sehr große Festivals dabei. Zum Teil fantastische Produktionen mit internationalem Ruf, aber arbeitsrechtlich immer eher auf Katar-Niveau. Ich sag das ohne Vorwurf. Ich komme aus einer Zeit, wo man der Kunst alles geopfert hat. Vernünftige Arbeitsverträge waren da so ziemlich das Uncoolste, was man haben konnte. Heute seh ich das kritischer. Absicherungen sind nicht zu unterschätzen. Wir haben ja auch ein erhebliches Maß an Risiken.

Was ist dein Lieblingsgewerk?

Also neben meinem eigenen ganz klar die Licht-Abteilung. In meinen Anfängen am Pathos Transport Theater - wir waren so zwanzig Leute - mußte jeder neben der Schauspielerei noch eine zweite Aufgabe übernehmen. Damals war die Lichtgestaltung vakant, eigentlich gab es da so gut wie nichts. Das hab ich mir geschnappt. Ich hab mir das beigebracht und ich hatte das große Glück, zwei Mentoren in München zu haben. Einer war ein top Handwerker und der andere war ein ganz großer Künstler seiner Zunft: Max Keller. Zu ihm konnte ich immer mit Fragen kommen. Er hat mir auch immer mal ausrangierte Sachen mitgegeben. Am Ende war es so, dass in den Theaterkritiken immer ein großer Absatz über das außergewöhnliche Licht stand. Ich denke, ich hab das damals recht gut gemacht. Jedenfalls mochte ich es sehr, dramaturgisch ranzugehen und eine Übersetzung in Schatten und Licht zu finden.


Wie gehst Du mit der aktuellen Situation um?

Nach der Absage aller meiner Bühnenauftritte und während des ersten Lockdowns habe ich wie die Meisten sowohl mit Panik, als auch mit Aktionismus reagiert.
Ich war relativ schnell dabei, digitale Formate zu realisieren, auch als Aufmunterung für die Menschen. Zwei Podcasts, online Lesungen…. Aus heutiger Sicht habe ich wie viele den Fehler gemacht, diese Formate umsonst anzubieten. Es war ein Reflex. Ich denke, wir haben uns da mittelfristig unser Geschäftsmodell einigermaßen ruiniert. Ich bin gespannt, wie es weitergeht und suche aktuell eigentlich nach neuen Wegen, mit dem Publikum in Schnittstellen zu kommen.


Was reizt Dich an Deinem Beruf?

Wir dürfen uns mit den verrückten, nicht berechenbaren Untiefen der Seele beschäftigen, dürfen erspüren, Grenzen ausloten und können dabei nützlich sein für die Gesellschaft. Kunst ist elementar für die Entwicklung des Menschen. Wir sind in unserer verspielten Neugierde, auch Forscher, Fragensteller, Antworten-Finder. Und ich liebe die Magie des gemeinsamen kreativen Prozesses!
Nicht zuletzt deswegen arbeite ich auch sehr gerne multimedial und interdisziplinär.


Was stört Dich an Deinem Metier am meisten?

Es gibt - und da nehme ich mich nicht aus - zu viel Einzelkämpfertum. Man spricht zwar immer wieder davon, doch jetzt endlich zusammen zu halten, aber in der Realität findet das zumindest in meinem Umfeld nicht statt. Aber ich möchte mich nicht lange mit Klagen aufhalten. Ich versuche immer, kreativ mit offenen Fragen umzugehen. Das ist das, was ich kann. Ich gründe gerade eine neue freie Theatergruppe.


Warum engagierst Du Dich gewerkschaftlich?

Wir brauchen Regeln des Umgangs. Wir Kreative brauchen auch Schutzräume. Diese Schutzräume müssen aber nach Innen auch sehr offen sein dürfen. Kreative Prozesse kann man nicht korsettieren. Das ist von Außen nicht immer gut zu verstehen. Deswegen sollten die Künstler an den Rahmenbedingungen mitarbeiten.
Außerdem weiß ich, dass wir eher zu Selbstausbeutung neigen. Hier helfen Schutzmechanismen.


Was liest Du gerade?

Ein Buch um einen gesunden Umgang mit Geld. Das Buch hat viel mit Struktur und Disziplin zu tun. Nicht unbedingt meine Stärken.


Hast Du musikalische Vorlieben?

Ich höre gerne Sachen ausserhalb der Radio-Rotationen. Und ich arbeite wahnsinnig gerne mit Musikern zusammen, die selbst Musik entwickeln. Gerade arbeite ich mit einem hundsbegabten Komponisten für eine orchestral begleitete Lesung. Das Orchester ist der Hammer. Das wird riesig!
Wenn ich daran denke, die in der Elbphilharmonie hinter mir zu wissen, zu lesen und vom Orchester dringen Töne durch mich hindurch, die mich schweben lassen, vor mir der volle Saal, da krieg ich jetzt schon Gänsehaut der Vorfreude.


Mit wem möchtest Du gern einen Abend verbringen?

Ich saß gerade mit ein paar echten Helden zusammen, im Rahmen vom Filmfest in Sarajevo. KämpferInnen für eine bessere Welt, in Krisengebieten, vom Westbalkan, bis Israel/Palestina. Leute, die so großartige Sachen machen, mutig, klug, menschlich. Und ich mittendrin. Wir haben endlos gequatscht und es war unglaublich bereichernd. Das könnte ich oft wiederholen.
Wenns bei der Frage darum geht, mit namhaften Film- oder Theaterregisseuren an einem Tisch zu sitzen, die ich bewundere, muß ich leider sagen, dass ich da eine komplette Niete bin. Einfach weil ich da sprachlos werde. Das wird kein guter Abend. Ich saß mal neben Oliver Stone, den ich als Filmemacher wirklich großartig fand. Mir ist nicht eine einzige Frage eingefallen, die mir nicht peinlich gewesen wäre. Ich bin da völlig unbegabt. Stattdessen hab ich mich mit meinem Nebenmann auf der anderen Seite unterhalten. Es war der Tonmeister eines sehr berühmten Musikers. Das war ein sehr feines und entspanntes Gespräch.








http://thomasdarchinger.de

Thomas Darchinger, geboren 1963, begann 1984 seine Laufbahn als Schauspieler am Münchener “Pathos Transport Theater”. Das Theater, das er über 6 Jahre lang als Mitglied des Kern-Ensembles mit prägte, erlangte im Lauf der 80er internationalen Ruhm. 1991 verließ er die Kompagnie, arbeitete im In- und Ausland als Gast an mehreren Theatern und gründete 1993 eine eigene Theatergruppe (Theater d-formation). Hier machte er sich auch als Autor und Regisseur einen Namen.
1989 wurde er für den Film entdeckt. Seitdem hat er in über 150 Filmen gespielt und gilt als einer der Lieblingsbösewichte des deutschen Films.
Unregelmäßig ist er als Synchronsprecher aktiv, wo er so namhafte Kollegen spricht wie Cuba Gooding Jr., Jamie Dornan, Michael Kelly und David Meunier.
Er gilt mit seinen hochkarätig musikalisch begleiteten Lesungen als eine der besten Erzählstimmen des Landes.
Thomas engagiert sich mit seinen künstlerischen Mitteln für die Gesellschaft. Seine künstlerische Demokratiekampagne (
www.demokratiekampagne.org) gilt als Leuchtturm-Projekt im deutschsprachigen Raum.
Er ist Mitglied der deutschen Filmakademie und regelmäßiges Jurymitglied bei den Emmys
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